ROTE KIRCHEN

Die Kirchen der Jahrhundertwende sind zumeist Hallenkirchen aus rotem Backstein, die romanische und gotische Elemente verbinden. Die meisten der Kirchen finden sich deshalb in den ehemaligen Arbeiterquartieren Prenzlauer Berg, Wedding, Kreuzberg und Schöneberg. Sie fassen oft mehrere tausend Gottesdienstbesucher.
 
Die Errichtung dieser Kirchen wurde initiiert durch den 1890 von Wilhelm II. gegründeten Evangelischen Kirchenbauverein. Bis zu seiner endgültigen Auflösung 1930 hatte der Verein insgesamt 70 Kirchen errichtet, 38 von ihnen in Berlin. Wilhelm II. wollte der in der Stadt aufkommenden Sozialdemokratie traditionelle evangelische Werte entgegen setzen.
 
Sozialarbeit und Kiezkirche
 
Der Verein, dem neben der Kaiserin auch der evangelische Pastor Friedrich von Bodelschwingh angehörte, hatte dabei auch soziale Aspekte im Blick. Auf die Pfarrer und Mitarbeiter der neuen Kirchen warteten in den Anfangsjahren vor allem soziale und diakonische Aufgaben. 
 
Berichte erzählen von straffälligen Jugendlichen, Fürsorgeverfahren und kinderreichen Familien. Die Seelsorge und Integration der neu Zugezogenen und die sogenannte Armenpflege waren ständige Herausforderungen. Kirche ist, wo Menschen sind: Dieses Motto prägt bis heute die Arbeit dieser Gemeinden. Als Kiezkirchen stehen sie auch jetzt wieder vor der Herausforderung, in Gebieten mit viel Zuzug für die Bevölkerung vor Ort da zu sein.
 
Diese Kirchen entstanden auf Betreiben des Evangelischen Kirchenbauvereins
 
Neue Nazarethkirche Wedding (1895)
 
 
Foto: Chris06/Wikipedia
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