Berliner Exilmuseum auf den Weg gebracht

Berliner Exilmuseum auf den Weg gebracht
Veröffentlicht am Mo., 17. Aug. 2020 09:20 Uhr
WAS BEWEGT BERLIN?

Das geplante Exilmuseum Berlin auf dem Areal des früheren Anhalter Bahnhofs hat eine entscheidende Hürde genommen. Eine zehnköpfige Jury unter Vorsitz der Stuttgarter Architektin Jorunn Ragnarsdottir verständigte sich auf den Entwurf des Architekturbüros Dorte Mandrup aus Kopenhagen.

Der geplante Neubau soll für 27 Millionen Euro die Portalruine des Anhalter Bahnhofs mit einbeziehen, das Exilmuseum 2025 eröffnen. Das aus einer Privatinitiative geborene Exilmuseum will vor allem die Geschichten von Menschen präsentieren, die ab 1933 aus dem Machtbereich der Nationalsozialisten fliehen konnten und im Ausland Zuflucht suchten.

Der Siegerentwurf besteht aus einem mehrstöckigen Gebäude, das die Rückseite der Portalruine halbkreisförmig umfängt. Das transparent gestaltete Erdgeschoss sieht eine über die gesamte Breite des Gebäudes gespannte bogenförmige Glasfassade vor. Ansonsten nimmt die Ziegelsteinfassade Bezug auf das historische Portal. Neben einer Nutzfläche von 3.500 Quadratmetern für Ausstellungen, Gastronomie und Museumsvermittlung sind rund 700 Quadratmeter Fläche für Freizeit- und Kulturangebote von Dritten eingeplant.

Der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg stellt dazu das Areal zwischen historischer Ruine und dem dahinterliegenden Sportplatz und dem Veranstaltungszentrum Tempodrom im Rahmen eines Erbaupachtvertrages zur Verfügung. Die Präsentation des Siegerentwurfes war zugleich der Startschuss für eine Spendenkampagne zur Unterstützung der Privatinitiative.

Bislang seien etwa 500.000 Exil-Schicksale bekannt, sagte der Gründungsdirektor der Stiftung Exilmuseum, Christoph Stölzl. Er bezeichnete das Exilmuseum ein "Unternehmen, das in die Welt hinausstrahlen soll". Neben historischen Fakten und Zusammenhängen sollen auch Einzelbiografien vorgestellt und "die verschlungenen, tragischen und überraschenden Lebenswege" von Menschen nachgezeichnet werden. Zudem sollen aktuelle Flucht- und Migrationsbewegungen von Menschen thematisiert werden.

Insgesamt waren zehn Architekturbüros eingeladen, ihre Entwürfe für das Museum einzureichen. Schirmherren sind Altbundespräsident Joachim Gauck und Literaturnobelpreisträgerin Herta Müller.

Auf Müllers Initiative geht auch die Museumsidee zurück. In einem offenen Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) kritisierte sie 2011, viele Bereiche der NS-Zeit seien aufgearbeitet, aber das Exil ab 1933, die Vertreibung von Hunderttausenden Deutschen ins Ausland, sei eine Leerstelle in der Museumslandschaft.

Der Stiftung Exilmuseum Berlin gehören unter anderem der frühere Berliner Kulturstaatssekretär Andre Schmitz, der Anwalt und Kulturförderer Peter Raue und Springervorstand Mathias Döpfner an. Die finanzielle Unterstützung geht auf das Engagement des Kunsthändlers Bernd Schultz zurück.

Das künftige Exilmuseum wird in unmittelbarer Nachbarschaft zum Dokumentationszentrum Flucht, Vertreibung und Versöhnung entstehen, das Mitte 2021 eröffnen soll. Müller verwies am Freitag auf die gemeinsamen historischen Ursachen der Emigration aus Nazideutschland und des Schicksals der "heimatvertriebenen" Deutschen aus Ostmittel- und Osteuropa.

epd ost phi mg