Kirchen und ihre Geschichte

Veröffentlicht am Fr., 10. Jul. 2015 12:51 Uhr
STAUNEN - ERINNERUNGSORTE

Toleranz für Glaubensflüchtlinge, Intoleranz gegenüber Andersgläubigen: Hier haben wir Ausschnitte einer wechselvollen Stadtgeschichte gesammelt, die Sie anregen sollen, selbst weiter zu forschen.

Bethlehemskirche

1884 überließ die Kirchengemeinde Rixdorf ihre zu klein gewordene Dorfkirche der Böhmisch-Lutherischen Bethlehemsgemeinde, die schon lange Gast im Hause war. Diese veranlasste einen erneuten Umbau von 1885 bis 1887, dem die Kirche die westliche Vorhalle und die östliche Fachwerksakristei verdankt.

1912 benannte die Böhmisch-Lutherische Kirchengemeinde die Dorfkirche Rixdorf in Bethlehemskirche um. Diese Bezeichnung geht auf die Bethlehemskapelle in Prag zurück, die für die Böhmischen Brüder eine wichtige Rolle spielt.

Königs Wusterhausen

Die Kreuzkirche Königs Wusterhausen wurde 1697 als Ersatz für eine zuvor eingestürzte Holzkirche erbaut. Mit dem Einsturz der alten Kirche erließ Kurfürst Friedrich III. den Befehl zum Bau einer großen Patronatskirche an der Stelle der hölzernen Kirche. Im Jahr 1697 wurde der Neubau der Kirche als rechteckiger verputzter Saalbau aus Backstein am östlichen Rand des alten Dorfangers als Ersatz der Holzkirchen in Wusterhausen, Niederlehme und Hoherlehme erbaut.

Unter der Kirche wurden zwei Gruften für fürstliche Bedienstete und wohlhabende Einwohner ausgehoben. Am 3. November 1718 wurde der Kirchenbau in einer königlichen Verordnung als ein Musterbeispiel empfohlen.

Französische Friedrichstadtkirche

Die Französische Friedrichstadtkirche wurde in der Friedrichstadt zwischen 1701 und 1705 von französischen Glaubensflüchtlingen, den Hugenotten, und für sie errichtet. Die französischen Protestanten reformierter Tradition waren im 17. Jahrhundert vor der Verfolgung durch Ludwig XIV. unter anderem nach Preußen geflohen.

Als die Konflikte mit den Berliner Christen zunahmen und sich die gemeinsam genutzte Kirche als zu klein erwies, sammelte die französische Gemeinde Geld für eine eigene Kirche, die dem in Pogromen zerstörten Dom von Charenton nachempfunden ist. Ihre Erbauer waren die französischen Festungsbaumeister Jean Cayart und, nach dessen Tod, Abraham Quesnay. Beide gehörten zu den Réfugiés.

St. Marienkirche

Mittelalterlicher Pogrom: Am 19. Juli 1510 wurden auf dem vor der Marienkirche gelegenen Platz 35 Juden verbrannt und zwei weitere Tage später hingerichtet. Sie wurden bezichtigt, gestohlene Hostien gekauft zu haben. Bei einem Einbruch in einer havelländischen Kirche waren im Februar eine vergoldete Monstranz und Hostien entwendet worden, der Täter bezichtigte bei seiner Vernehmung einen Spandauer Juden, eine der Hostien gekauft zu haben.

In der Folge entstanden Gerüchte, die Juden würden aus rituellen Gründen beim Pessachfest Blut von Christen verwenden. In den Pogromen wurden 37 Menschen getötet.


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