Hauptstadt des Schreckens

Veröffentlicht am Fr., 10. Jul. 2015 12:24 Uhr
STAUNEN - ERINNERUNGSORTE

Verschiedene Arbeitsbereiche der Evangelischen Kirche arbeiten in besonderer Weise die den Nationalsozialismus auf. Neben dem Forum Erinnerungskultur des Landeskirchlichen Archivs pflegen vor allem Kirchengemeinden und lokale Initiativen einen Gedenkort und informieren darüber.

NS-Zwangsarbeit für die Evangelische Kirche

Von 1943 bis 1945 betrieb die Evangelische Kirche auf dem Friedhof der Jerusalems- und Neue Kirchengemeinde an der Neuköllner Hermannstraße das sogenannte Berliner Friedhofslager. Über hundert als Ostarbeiter bezeichnete Menschen aus der besetzten Sowjetunion mussten hier leben und arbeiten.

Eine Arbeitsgemeinschaft im Rahmen des Forum Erinnerungskultur der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz richtete eine Gedenkstätte ein. Sie gibt Publikationen heraus und erinnert mit Gedenkfeiern an das Schicksal der Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter.

Nagelkreuzgemeinschaft

Das Nagelkreuz von Conventry erinnert an ein Kreuz aus Zimmermannsnägeln, das ein Arbeiter nach der Zerstörung der Kathedrale im englischen Coventry durch deutsche Bomben zusammenfügte. Nach dem Krieg wurde das Nagelkreuz aus Coventry in die von englischen Bomben zerstörten Städte gebracht – als Zeichen für die Versöhnung der verfeindeten Völker. Heute gibt es in Deutschland 58 Nagelkreuzzentren,sieben davon befinden sich in Berlin.

Christen jüdischer Herkunft

Religion der Eltern: mosaisch. – Dieser Taufbucheintrag bedeutete für Hunderte das Todesurteil. Die natonalsozialistische Rassenpolitik verfolgte Menschen, die vor ihrer Taufe jüdischen Glaubens gewesen waren.

In vielen Gemeinden wurden die Nationalsozialisten dabei von den Gemeindeleitungen unterstützt. In anderen tauften die Pfarrer Menschen, um sie vor der Vernichtung zu bewahren. dabei von den Gemeindeleitungen unterstützt. In anderen tauften die Pfarrer Menschen, um sie vor der Vernichtung zu bewahren. Ein Arbeitskreis am Landeskirchlichen Archiv recherchiert Biografien und unterstützt Gedenkorte wie die Messiaskapelle in Berlin-Prenzlauer Berg.

Gedenkzentrum Plötzensee

Das Evangelische Gemeindezentrum Plötzensee ist ein kirchliches Zentrum im Berliner Stadtteil Charlottenburg-Nord. Der Gottesdienstraum ist wegen der Nähe zur Gedenkstätte Plötzensee als Gedenkkirche für die Opfer des Nationalsozialismus gestaltet. Seine besondere Prägung erfährt der Raum durch den Plötzenseer Totentanz des Wiener Künstlers Alfred Hrdlicka. Jährlich finden hier im Januar die Ökumenischen Plötzenseer Tage statt, aktuell entsteht vor Ort das ökumenische Gedenkzentrum Christen und Widerstand.

Erinnern, nicht vergessen

Wie war das – damals? Jedes Jahr erarbeitet die Evangelische Jugend Wilmersdorf ein Theaterstück zu einem Aspekt des Nationalsozialismus und führt es am 9. und 10. November auf. Die Jugendlichen versetzen sich in die Lage Jugendlicher, die 1933 "gleichgeschaltet" wurden, verarbeiten Eindrücke eines Besuchs im Vernichtungslager Auschwitz, sprechen über Identität und Heimat, und hinterfragen die Rolle der Kirche und der Deutschen Christen.

Stolpersteine

Deutschlandweit erinnern kleine quadratische Messingplatten an Menschen, die von den Nationalsozialisten ermordet wurden. Diese sogenannten Stolpersteine gehen auf eine Inititative des Kölner Bildhauers Gunter Demnig zurück. Sie werden von Menschen gestiftet, die zuvor die Biografien der Ermordeten recherchieren und dann zur Erinnerung einen Stolperstein an deren letztem Wohnort verlegen lassen.

Der Bezirk Steglitz-Zehlendorf ist der einzige in Berlin, bei dem diese Art der Erinnerungsarbeit in kirchlicher Hand liegt: Der Evangelische Kirchenkreis Steglitz engagiert sich für diese Art der Erinnerungskultur ebenso wie der Evangelische Kirchenkreis Teltow-Zehlendorf. Auf der Projekt-Webseite können Sie sich über die Arbeit informieren.

Martin-Niemöller-Haus Dahlem

Das Haus mit der Nummer 61 in der Pacelliallee Berlin-Dahlem ist das ehemalige Pfarrhaus von Martin Niemöller. 1980 wurde es als Friedenszentrum eingerichtet. Als gemeinsames Haus dient es Berliner Gruppen und Organisationen für Friedensarbeit, der Bevölkerung von Berlin-Dahlem und der Dahlemer Evangelischen Gemeinde. Schwerpunktthemen der Arbeit sind Frieden, die sogenannte Dritte Welt und Menschenrechte.

Bild oben: EKD

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