Kältehilfe bietet Obdachlosen wieder Notschlafplätze

Veröffentlicht am Mi., 2. Okt. 2019 08:28 Uhr
HELFEN – TIPPS UND TERMINE

Berlin (epd). Obdachlose in Berlin können auch in diesem Winter wieder Angebote der Kältehilfe nutzen. Noch im Oktober werden 678 Notübernachtungsplätze bereitgehalten, teilte die Liga der Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege am Dienstag mit. Die Zahl werde schrittweise angehoben. Im November sollen dann bis zu 1.157 Notschlafplätze für obdachlose Menschen zur Verfügung stehen. Die Kältehilfe läuft bis zum 30. April 2020.

Über das Kältehilfetelefon können Berlinerinnen und Berliner hilfebedürftige, obdachlose Personen melden. Neben den Notschlafplätzen sind im Rahmen der Berliner Kältehilfe auch die Kältebusse der Berliner Stadtmission, der Wärmebus des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) oder die Kälteambulanz der Johanniter-Unfall-Hilfe im Einsatz. Gebündelt werden die Hilfsangebote von der Koordinierungsstelle der Berliner Kältehilfe bei der Gebewo.

Die Direktorin der Diakonie Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, Barbara Eschen, verwies darauf, dass in den vergangenen Jahren die Zahl der Notschlafplätze für Obdachlose deutlich angestiegen sei. 2009/10 habe es durchschnittlich 369 Plätze täglich in 17 Notübernachtungen und 17 Notcafés gegeben. 2014/15 waren es 534 Plätze. Im Winter 2017/18 habe es bereits 1.033 Plätze in 28 Notübernachtungen und 15 Nachtcafés gegeben.

"Das ist eine beeindruckende Leistung zivilgesellschaftlichen Engagements", sagte Eschen. Die eigentliche Realisierung der Kältehilfe sei nur durch ein Vielzahl ehrenamtlich arbeitender Menschen möglich, die abends, nachts, auch an Wochenenden und Feiertagen, ihre Freizeit investieren, "um Menschen vor dem Kältetod zu bewahren", sagte der Vorsitzende der Liga Berlin, Oliver Bürgel.

Unterdessen forderte die Direktorin des Caritasverbandes für das Erzbistum Berlin, Ulrike Kostka, die Zahl der Notschlafplätze für Obdachlose im Rahmen der Kältehilfe nicht weiter zu erhöhen. "Die rasante Ausweitung der Kältehilfe muss ein Ende haben", sagte Kostka. Die Probleme dürften nicht verschoben werden. "Vorrang muss die Schaffung von Wohnraum sein und nicht die von Notübernachtungen", sagte die Caritasdirektorin.

Wie viele Menschen obdachlos in Berlin leben, ist bislang nicht bekannt. Schätzungen gehen von 6.000 bis 10.000 Betroffenen aus. Der Berliner Senat will Ende Januar 2020 mit Hilfe zahlreicher Organisationen und Verbände erstmals die Zahl der auf der Straße lebenden Menschen systematisch erfassen.

Schätzungen zufolge kommen rund zwei Drittel der Obdachlosen in Berlin aus Osteuropa. Zudem haben ehrenamtliche Helfer zuletzt eine wachsende Zahl von obdachlosen Flüchtlingen in der Bundeshauptstadt registriert.

Die Berliner Kältehilfe startet in diesem Jahr in ihre 30. Saison. Sie war über Jahrzehnte eine kirchlich organisierte Hilfe, getragen von der Diakonie Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz und dem Caritasverband des Erzbistums Berlin. Im Laufe der vergangenen Jahre beteiligten sich immer mehr Verbände und Organisationen daran, darunter die Awo, der Paritätische Wohlfahrtsverband, das DRK sowie die Jüdische Gemeinde zu Berlin, die alle zur Liga der Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege gehören.

Foto: Berliner Stadtmission

Bildnachweise: