Zusätzliche Unterstützung für Betroffene von sexueller Gewalt in Kirche und Diakonie

Veröffentlicht am Di., 30. Apr. 2019 14:45 Uhr
WAS BEWEGT BERLIN?

Menschen, die in der Landeskirche Opfer von sexueller Gewalt geworden sind, sollen unbürokratische zusätzliche Unterstützung erhalten. Die Kirchenleitung der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO) hat gemeinsam mit dem Diakonischen Werk Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (DWBO) dazu eine unabhängige Kommission berufen, an die sich Betroffene wenden können. Die Hilfe ist ganz unabhängig davon, ob die EKBO ein institutionelles Verschulden zu verantworten hat oder nicht. Mit den angebotenen Hilfen will die EKBO den Opfern von sexueller Gewalt beistehen und sie unterstützen.  

Solche Hilfen können zum Beispiel in der Finanzierung von therapeutischen Kosten, die die Kranken­kasse nicht übernimmt, bestehen. Auf ihren Wunsch hin können Betroffene die Unterstützung einer Verfahrenslotsin oder eines Verfahrenslotsen in Anspruch nehmen, die bei der Beantragung beraten und begleiten. Weitere Vertrauenspersonen können ebenfalls hinzugezogen werden.  

Die Kommission hat nicht die Aufgabe einen Sachverhalt zu ermitteln, sondern entscheidet nur, ob das erlittene Leid plausibel erscheint. Kirche und Diakonie ist es wichtig, dass Betroffene aus allen kirchlichen und diakonischen Bereichen wissen, wohin sie sich wenden können. Deshalb wurden für die gemeinsame Kommission zwei Vertreterinnen durch die Diakonie benannt. Die insgesamt fünf berufenen Mitglieder sind am 29. April. 2019 das erste Mal in einer konstituierenden Sitzung zusam­mengetreten: Dr. Martin Mueller-Follert (Mitglied der Kirchenleitung), Dr. Marie Anne Subklew-Jeutner (Pfarrerin der Nordkirche), Professorin Dr. Erika Feldhaus-Plumin, Ingeborg Junge-Reyer, Staatssekretärin a.D. sowie Viola Kennert, Superintendentin i.R.  

Die Gründung der unabhängigen Kommission ist eingebettet in viele weitere Maßnahmen, die seit 2010 greifen. Wichtig sind der Landeskirche und der Diakonie, ihre präventiven Schutzkonzepte weiter zu stärken. Die Landeskirche hat seit 2010 einen Handlungsplan bei Verdacht auf sexuelle Gewalt, nach dem die Kirchengemeinden und alle Gliederungen der Kirche verbindlich aufgefordert sind zu handeln und der regelmäßig aktualisiert wird. Seit 2011 gibt es zudem ein umfassendes, in Zusam­menarbeit mit der Evangelischen Jugend erarbeitetes Präventionskonzept mit verbindlichen Fortbildungs­einheiten für alle beruflich und ehrenamtlich Mitarbeitenden im Kinder- und Jugendbereich.  

Die EKBO und die Diakonie haben eine unabhängige Ansprechpartnerin für Opfer von Missbrauch und sexueller Gewalt berufen. An sie können sich alle Menschen wenden, die Missbrauch, Gewalt oder übergriffiges Verhalten in der Landeskirche und dem DWBO und seinen Mitgliedern erlebt haben. Sie erhalten hier Unterstützung, Beratung und Begleitung. Die Opfer sollen auch ermutigt werden, Anzeige zu erstatten, damit die Täter zur Verantwortung gezogen werden. Monika Weber ist telefonisch erreichbar und berät anonym und kostenfrei.    

Weitere Informationen:



https://www.ekbo.de/service/hilfe-bei-missbrauch-und-missbrauchverdacht.html    



Monika Weber, systemische Beraterin, Therapeutin und Kinderschutzfachkraft,



Telefon: 030 / 24344 – 199, beratungundhilfe@ekbo.de, Montag von 9 bis 11 Uhr, Mittwoch von 15 bis 17 Uhr, Freitag von 17 bis 19 Uhr.  



Foto der konstituierenden Sitzung der Kommission im Anhang: © Manuela Schneider / EKBO



v.l.n.r.: Marie Anne Subklew-Jeutner, Pfarrerin der Nordkirche; Generalsuperintendentin Ulrike Trautwein (beratend); Ingeborg Junge-Reyer, Staatssekretärin a.D.; Bischof Dr. Markus Dröge (Begrüßung; kein Mitglied der Kommission); Viola Kennert, Superintendentin i.R.; Professorin Dr. Erika Feldhaus-Plumin; Dr. Martin Müller-Follert, Mitglied der Kirchenleitung

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