Ein Jahr Flüchtlingskirche: Von der Willkommens- zur Beteiligungskultur

Ein Jahr Flüchtlingskirche: Von der Willkommens- zur Beteiligungskultur
Veröffentlicht am Di., 4. Okt. 2016 15:22 Uhr
FLÜCHTLINGE

Ein Jahr nach Eröffnung der Flüchtlingskirche in der St. Simeon-Kirche in Berlin-Kreuzberg hat sich das Konzept als sinnvoll und erfolgversprechend erwiesen. Täglich nehmen bis zu 60 Geflüchtete das Beratungsangebot, Deutsch- und Alphabetisierungskurse oder die Gesundheitssprechstunde wahr. Zum Angebot gehören auch mobile Beratung, die nicht nur in Berlin, sondern im gesamten Gebiet der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO) abgerufen werden kann und sich auch an ehrenamtliche Mitarbeiter richtet. Regelmäßige kulturelle Veranstaltungen, etwa das Format Open-Stage, bei dem Geflüchtete ihr Können im Bereich Musik, Tanz, Akrobatik oder Theater zeigen, gehören ebenso zum festen Programm der Flüchtlingskirche wie der täglich geöffnete Treffpunkt mit Café oder ein internationales Dinner.

Derzeit zählt das Team der Flüchtlingskirche sechs Mitarbeitende, darunter einen nach Deutschland geflohenen syrischen Rechtsanwalt, der im Rahmen des Bundesfreiwilligendienstes in der Flüchtlingskirche arbeitet. Die drei Pfarrerinnen Elisabeth Rosenfeld, Christiane Schulz und Dorothea Schulz-Ngomane bieten seelsorgerliche Angebote und zum Beispiel auch interreligiöse Workshops an. Es engagieren sich zudem Geflüchtete ehrenamtlich, und ein knappes Dutzend Ehrenamtlicher haben die medizinische und rechtliche Beratung, Deutschkurse oder Theaterabende in der Flüchtlingskirche aus eigener Kraft aufgebaut.

Vorrangig für die nächste Zeit ist es, die Arbeit zu konsolidieren und mehr Menschen zur Wort kommen zu lassen, die von ihren Erfahrungen berichten – bei gleichzeitiger Hilfestellung, so Traumata vorliegen. „Wir als Träger wollen den Übergang von einer Willkommenskultur zu einer Beteiligungskultur. Das erreichen wir unter anderen, indem wir nicht über oder für Menschen sprechen, sondern mit ihnen und ihnen eine Stimme geben“, betont Evi Gülzow, Geschäftsführerin des Diakonischen Werks Berlin Stadtmitte. Außerdem weist das Team der Flüchtlingskirche immer wieder auf bestehende Missstände hin, etwa auf die inakzeptable Unterbringungssituation besonders schutzbedürftiger Geflüchteter oder auf Probleme in Berliner Ämtern.


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Foto: Gerd Herzog, Berliner Missionswerk